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Demontage geht weiter  

Ausverkauf geht weiter

Ein Unternehmen ums andere wird verramscht

Den deutschen Standorten des Armaturenherstellers Grohe drohen Gewerbesteuer-Rückgänge in Millionenhöhe. Der kreditfinanzierte Verkauf an US-Investoren lässt die Steuerschuld sinken, den Kommunen droht der kulturelle Todesstoß.

Michale Esken, Bürgermeister aus dem nordrhein-westfälischen Hemer, dem Sitz des Armaturenherstellers Grohe, schlägt Alarm. Der mit Krediten finanzierte Verkauf des Unternehmens an US-Investoren belastet durch Zinsabschreibungen die Unternehmensbilanz und lässt dadruch die Steuerschuld sinken. Er geht davon aus, dass "durch aktuelle Entwicklungen" allein für 2004 und 2005 rund fünf Millionen Euro weniger in die Stadtkasse fließen. Rückgänge erwarten auch die Städte Lahr (Baden-Württemberg), Herzberg (Brandenburg) und Porta Westfalica (NRW), wo Grohe ebenfalls produziert.

Jährlich 2,5 Millionen Mindereinnahmen
Das im Bereich Sanitärarmaturen weltweit führende Traditionsunternehmen war im vergangenen Jahr an eine US-amerikanische Investorengruppe verkauft worden. Grohe könne nun diesen Verkauf teilweise steuerlich geltend machen, sagte Esken. "Da ist etwas falsch mit unserem Steuerrecht. In anderen Ländern ist so etwas nicht möglich", sagte er. Für die Folgejahre rechnet Esken mit Mindereinnahmen im Gewerbesteuerbereich von jährlich 2,5 Millionen Euro. "Und das, obwohl der Trend bei den Gewerbesteuereinnahmen im allgemeinen wieder nach oben geht."

"Für uns ist das der kulturelle Todesstoß", sagte Bürgermeister Michael Oecknigk im brandenburgischen Herzberg. Durch den Verkauf des größten Arbeitgebers und Steuerzahlers der 11.000-Einwohner-Stadt sinken die Steuereinnahmen um 500.000 Euro. Für freiwillige Ausgaben wie Bibliothek, Schwimmbad oder den Tierpark sei jetzt nicht mehr ein einziger Euro übrig. Sollten die neuen Eigentümer den Standort mit 300 Beschäftigten ganz schließen, komme es noch schlimmer. Die Arbeitslosigkeit steige dann von derzeit 23 auf 30 Prozent. "Als Kommune befinden wir uns in einer Situation der Ohnmacht", sagte Oecknigk.

"Das tut richtig weh"
Deutlicher wird der Bürgermeister aus dem ostwestfälischen Porta Westfalica, Stephan Böhme: "Wir sind wütend und empört. Man steht mit geballten Fäusten in der Tasche hilflos daneben." Die neuen Eigentümer zögen zu Lasten der Region das Beste aus ihrem Investment. "Auf der anderen Seite beklagt die Wirtschaft dann aber den Rückgang der Kaufkraft und die fehlende Binnennachfrage." Grohe sei bisher ein bedeutender Gewerbesteuerzahler. "Das tut richtig weh." Mehr als die finanziellen Belastungen für die Kommune durch den Verkauf hat Böhme aber die Menschen im Auge. "Was passiert mit den Hunderten von Familien, wenn der Personalabbau umgesetzt wird?"

Auch der Bürgermeister von Lahr im Schwarzwald, Wolfgang Müller, rechnet mit einem sehr deutlichen Gewerbesteuerrückgang. "Die Stadt hat in den vergangenen Jahren aber gut gewirtschaftet." Er hofft, die Einnahmeausfälle durch Rücklagen ausgleichen zu können.

Jede dritte Stelle soll weg
Grohe hatte am Montag angekündigt, jede dritte der 4500 Stellen in Deutschland zu streichen und dafür mehr in Asien zu produzieren. Die neuen Eigentümer hatten Einsparungen von 150 Millionen Euro pro Jahr gefordert. Derzeit verhandeln Betriebsrat und Unternehmensführung über Konzepte zur Umsetzung. Die Bürgermeister rechnen im Fall eines Arbeitsplatz-Abbaus in der geplanten Größenordnung mit weit reichenden Folgen für ihre Kommunen. Außerdem plane Grohe Einsparungen beim Einkauf. Das könnte nach Einschätzung Eskens auch bei Zuliefer-Firmen zu Auftragsrückgängen und Arbeitsplatzverlusten führen. "Die Folgewirkungen sind überhaupt nicht abzuschätzen. Die finanzielle Stabilität der Stadt wir aber auf jeden Fall beeinträchtigt", kommentierte Esken die Vorgänge bei Grohe.

Jörg Taron/DPA
[Quelle/Zitiert nach: Stern-Wirtschaft-online 27.05.05]


USA-Heute Quelle: www.Kaiserkurier.de

Inder kaufen deutsche Pharma-Firma

So ändern sich die Zeiten: Die traditionsreiche deutsche Pharma-Firma Heumann, 1913 gegründet, gehörte in den letzen zwei Jahren dem US-Konzern Pfizer. Der will sie nun nicht mehr haben und hat sie weiterverkauft - an einen indischen Mischkonzern.

Erst in der vergangenen Woche hatten Presseberichte für Aufregung gesorgt, wonach der deutsche Arzneimittelhersteller Stada einen Käufer suche. Stada bekräftigte allerdings, unabhängig bleiben zu wollen. Heißester Kaufinteressent war den Berichten zufolge die israelische Generika-Firma Teva.


"Kein Stein bleibt auf dem anderen"

Leifheit



Wäschespinne, Bügelbrett oder Schneebesen: Fast jeder deutsche Haushalt besitzt vermutlich ein Produkt von Leifheit. Seit 1959 stellt das Unternehmen mit Hauptsitz in Nassau an der Lahn nichtelektrische Haushaltsgeräte her. Ein Großteil der Produkte kommt künftig aus Tschechien oder asiatischen Niedriglohnländern. Weil die Produktion in Deutschland zu teuer ist, verlagert die Firma derzeit die Herstellung von 440 Waren, das ist fast die Hälfte des Sortiments. Bis Ende des Jahres müssen, wie im Dezember 2004 angekündigt, deutschlandweit 330 Mitarbeiter in Rheinland-Pfalz und den Zweigstellen in Baden-Württemberg gehen.

Es gibt kaum einen Firmenbereich, der nicht berührt wäre: "Es bleibt kein Stein auf dem anderen", sagt der Vorstandsvorsitzende der Leifheit AG, Hans-Georg Franke. Die Krise habe vor etwa vier Jahren begonnen. Die Deutschen hielten sich mit dem Geldausgeben zurück. Gleichzeitig begannen Discounter, günstige Haushaltsgeräte aus Asien anzubieten, die die Preise drückten. Ein Beispiel seien Personen- und Küchenwaagen. "Die kosten jetzt ungefähr noch die Hälfte von dem, was sie vor drei Jahren gekostet haben", klagt Franke. Die Umsätze von Leifheit sanken, 2004 wurde die Umstrukturierung beschlossen.
[Quelle: Bericht auf Stern-Online - 09/05]


Von Heuschrecken und Hedge-Fonds

Finanzinvestoren: Immer mehr kaufen sich in deutsche Unternehmen ein. Die Deutschland AG befindet sich in Auflösung.

Hamburg - (Hamburger Abendblatt)

Die Diskussion um die von SPD-Chef Franz Müntefering als "Heuschrecken" bezeichneten Finanzinvestoren hat neue Nahrung erhalten: Ein auf den als Steuerparadies bekannten Cayman-Inseln ansässiger Hedge-Fonds ist bei dem Handy-Ausrüster Balda mit immerhin 15 Prozent eingestiegen - und der von Mallorca aus tätige Fondsmanager Florian Homm ließ gleich wissen, er erwarte jährliche Gewinnsteigerungen von mindestens ebenso 15 Prozent. Selbst DaimlerChrysler ist angeblich schon zu 20 Prozent in der Hand von Hedge-Fonds, die den Vorstand zur Schließung der Kleinwagentochter Smart drängen sollen.

Ihren Geldgebern stellen diese Investoren jährliche Renditen von 20 bis 30 Prozent in Aussicht. Nach meist rund fünf Jahren machen sie bei ihren Beteiligungen Kasse - und dabei muß sich das Kapital wegen des hohen Flop-Risikos im Einzelfall noch deutlich besser verzinsen als im Schnitt über alle Investments. Zwar arbeiten Private-Equity-Firmen völlig anders als Hedge-Fonds, die ihre Beteiligungen an der Börse zusammenkaufen und dabei oft im Verborgenen bleiben. Gemeinsam ist beiden Anlegergruppen - neben der Herkunft aus dem zumeist angelsächsischen Raum - die hohe Renditeerwartung auf kurze Sicht.

Das ist für viele Deutsche ungewohnt und es löst bei manchen diffuse Ablehnung aus. Dabei sei die "Heuschrecken"-Diskussion aber nur ein "Nebenkriegsschauplatz, meint Dierk Hirschel, Chefökonom des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB): "Uns geht es um Grundsätzliches, um die Frage: Was hat der Wandel vom Rheinischen Kapitalismus zu einem Shareholder-Value-Kapitalismus für Auswirkungen auf Wachstum und Beschäftigung?" (Ausschnitt v.HH-Abendblatt)


Hedge Fonds unterwandern DAX-Unternehmen

Hedge Fonds haben ihre Beteiligungen an deutschen Großkonzernen laut einem Pressebericht deutlich ausgebaut und halten derzeit im Schnitt bis zu 15 Prozent an jedem DAX-Konzern. Das sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Ulrich Ramm der Wirtschaftszeitung "Euro am Sonntag" in einem am Freitag vorab veröffentlichten Interview. "Hedge Fonds sind mittlerweile in allen DAX-Firmen. Im Durchschnitt halten sie zwischen zehn und 15 Prozent der Aktien", sagte Ramm. Dies sei deutlich mehr als noch vor einem Jahr. Auch der Anteil der als hoch spekulativ geltenden Fonds an Deutschlands drittgrößter Bank bewegt sich nach Angaben des Commerzbank-Chefökonoms "in diesem Rahmen".

FDP nun auch für Senkung der Meldepflichtgrenze
Angesichts dieser Entwicklungen wollen neben SPD und Grünen nun auch Oppositionspolitiker die Meldepflichtgrenzen für Hedge Fonds von derzeit fünf auf drei Prozent senken. Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle sagte dem Wirtschaftsblatt, dies sei ein "Schritt hin zu mehr Transparenz". Die FDP würde sich einer Absenkung nicht verweigern.

Grüne: "Anlegerschutz wird gestärkt"
Die im Unions-Kompetenzteam für Verbraucherschutzfragen zuständige CSU-Politikerin Gerda Hasselfeldt erklärte, es müsse genau geprüft werden, ob eine Herabsetzung der Grenze den Anlegerschutz weiter stärke. Die Finanzexpertin der Grünen, Christine Scheel, sagte der Zeitung, eine Absenkung der Meldepflichtgrenze helfe den börsennotierten Firmen und "stärkt den Anlegerschutz". Führende SPD-Politiker hatten sich zuvor bereits für eine Senkung der Meldepflichtgrenze ausgesprochen.
[AFP, onWirtschaft, 05.09.05]


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