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Bildungsnotstand gefährdet Konjunktur

Zu wenig Studienanfänger und -abschlüsse

Deutschland hat in der Bildungspolitik weiterhin dringenden Handlungsbedarf. In der jüngsten OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" stellen die Experten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erhebliche Defizite bei der Ausbildung an Schule und Hochschule fest. Gute Ausbildung schafft Arbeitsproduktivität und Wachstum, mahnen die Fachleute.

Die geringe Zahl von Abiturienten und Studenten etwa ist nach ihrer Ansicht für die Wirtschaftsschwäche in der Bundesrepublik mitverantwortlich.
Seit 1995 ist der Zahl der Studierenden im OECD-Schnitt um 30 Prozent gestiegen, nur in Deutschland und Frankreich gab es der Studie zufolge einen Rückgang.

Die Quote der Studienanfänger lag 2001 bei 32%. Damit liegt die Bundesrepublik weiter deutlich unter dem Ländermittel von 47 %. Spitzenreiter ist Neuseeland mit 76 %, gefolgt von Finnland (72%). Allerdings laufen insbesondere in angelsächsischen Ländern einige Ausbildungen über Hochschulen, die in Deutschland im dualen System der Ausbildung im Betrieb und der Berufsschule absolviert werden. Die Zahl der Studienabschlüsse ist in Deutschland ebenfalls weiterhin zu niedrig. Die Hochschulen sind allerdings offenbar zunehmend für ausländische Studierende attraktiv.

Die gute Nachricht der OECD-Studie: Die OECD-Experten sehen eine Trendwende bei der Hochschulpolitik eingeleitet, die Auswirkungen werden allerdings erst in Jahren zu spüren sein. Die Zahl der Frauen im Studium steigt deutlich, liegt aber immer noch unter dem Länderdurchschnitt.

Der für die OECD-Studie verantwortliche Leiter Andreas Schleicher sagte dem ARD-Hauptstadtstudio, es werde "viele Jahre konsequenter Reformpolitik- und praxis in den Institutionen bedürfen, um wirklich an die Leistungsspitze heranzukommen." Die Leistungsspitze werde aber international über Erfolg oder Misserfolg der Staaten entscheiden, betonte Schleicher.
Lehrer älter und besser bezahlt als im OECD-Schnitt

Gut bezahlt, aber wesentlich älter als der Durchschnitt sind die Lehrer. Fast die Hälfte wird in den nächsten 15 Jahren in den Ruhestand gehen, warnen die OECD-Experten. Deutschland liegt im Altersvergleich bei den Grundschulen (Primärbereich) ganz vorn.
Knapp 40 Prozent der Lehrer sind über 50 Jahre alt. Im Sekundarbereich, das sind Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien bis zur 10. Klasse, ist Italien (51,7%) Spitzenreiter vor der Bundesrepublik (44%). Etwas besser sieht es im Sekundarbereich II, den Oberstufen der Gymnasien und Berufsfachschulen etc. aus. Hier gibt es mehr jüngere Lehrer, allerdings sind die älteren überproportional stark vertreten.
Viele Unterrichtswochen

Ein gutes Zeugnis stellt die OECD Schulen und Lehrern bei der Zahl der Unterrichtswochen aus. Mit 40 Wochen pro Schuljahr liegt Deutschland im oberen Bereich. Nur Dänemark und Mexiko haben mehr. Beim Geld liegen die deutschen Lehrer ebenfalls vorn. Die OECD vergleicht dabei das Grundgehalt mit dem Wert des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf. Die Deutschen erhalten hier bis zum zweifachen dieses Werst. Der Mittelwert der Länder liegt hier bei 1,3 bis 1,4, die Schweizer Lehrer erhalten bis zum 2,1-fachen.

Klassen sind zu groß
Eine Reform-Baustelle bleiben die Klassengrößen. Außer in den Oberstufen sammeln sich in den deutschen Schulen jeden Morgen mehr Schüler in einer Klasse als im OECD-Durchschnitt . In den Kindergärten kommt auf 24,6 Kinder eine Betreuungsperson, das ist der schlechteste Wert, das Mittel liegt hier bei 14,9. Auch bei Grund- und Hauptschulen und in der Sekundarstufe müssen deutsche Lehrer mehr Kinder betreuen als anderswo.

Mit 5,3 % des Bruttoinlandsprodukts gibt Deutschland derzeit etwas weniger für Schulen und Hochschulen aus, als die Vergleichsländer (5,5%). Vergleicht man die Bildungsausgaben pro Schüler oder Student, schneidet Deutschland im Sekundarbereich II hinter der Schweiz sehr gut ab. Bei Grundschulen und im Sekundarbereich I liegt die Bundesrepublik allerdings weiter zurück.
[Quelle: www.Tagesschau.de - Stand: 17.09.2003]



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