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Wie entsteht Gewalt? | Die Verwaltungsarmee
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Wachstumsgrenzen
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Die Suche nach neuen Wohlstandsmodellen und Lebens
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Ein Blick zurück
Ein Blick zurück 1972 erschien im Auftrag des Club of Rome das Buch „Die Grenzen des Wachstums“. Es erwies sich als epochemachende Veröffentlichung. Nichts war danach so wie vorher. Eine bis heute anhaltende Debatte wurde dadurch angestoßen. Heerscharen von Forschern haben die aufgeworfenen Fragen aufgegriffen und weiter untersucht - oft mit dem Ziel, die Thesen und Berechnungen von „Die Grenzen des Wachstums“ zu widerlegen. Das beklemmende Fazit heute: Im wesentlichen hat sich der Befund bestätigt. Zwar hat sich im Bereich des Umweltschutzes in der Tat einiges getan. Doch sind die Grundstrukturen von Wachstum, Produktion und Verbrauch im Kern bestehen geblieben (vgl. beispielhaft Schaubild 1 im Anhang). Neue Zuspitzungen sind sichtbar geworden, und die Widersprüche stellen sich heute insgesamt schärfer dar. Dabei treten allerdings weniger die Grenzen der Nutzung von Ressourcen in den Vordergrund als vielmehr die Grenzen der Naturausbeutung und der Belastbarkeit der Ökosysteme. 1992 faßten die Autoren von „Die Grenzen des Wachstums“ ihre Erkenntnisse in einer weiteren Studie so zusammen: „Die Menschheit hat ihre Grenzen überzogen; unsere gegenwärtige Art zu handeln läßt sich nicht mehr lange durchhalten. Eine lebenswerte Zukunft muß zu einer Epoche des Rückzugs werden, in der man die Aktivitäten zurückführt und die entstandenen Schäden ausheilen läßt“. 2. Befund Worauf stützen sich solche Aussagen? Ich beschränke mich auf wenige Stichworte und Hinweise: Das Klima ändert sich. Von globaler Erwärmung ist die Rede. Seit Mitte des letzten Jahrhunderts um 0,7 Grad. Ein Anstieg um bis zu 3 Grad wird für möglich gehalten. Schon bei früheren Schwankungen um 1 Grad waren die Folgen katastrophal. Für die Zukunft werden häufigere und heftigere Stürme vorausgesagt, Dürreperioden werden Landstriche heimsuchen, die solches bisher nicht kannten. Es ist davon auszugehen, daß das Abschmelzen der Gletscher und Polkappen zu einem weiteren Anstieg des Meeresspiegels führen wird. Dieser ist in den letzten hundert Jahren bereits um 20 cm weltweit angestiegen. Zahlreiche Inselstaaten befinden sich in der Gefahr, von der Landkarte zu verschwinden, ebenso wie niedrig gelegene Küstenregionen. Lebensspendende Wälder, insbesondere die tropischen Regenwälder, verschwinden in atemberaubendem Tempo. Damit verschwindet auch der Lebensraum zahlreicher indigener
Page 2Völker. Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Regulierung von Atmosphäre und Klima, zugleich stellen sie die gewaltigste Genreserve der Menschheit dar. Die Art unseres Lebens und Wirtschaftens führt zu einem dramatischen Schwund der Artenvielfalt. Die biologische Vielfalt stellt das Gesamtspektrum der genetischen Information, der Arten und Ökosysteme dar. Es verändert sich ständig, da die Evolution neue Arten hervorbringt und neue ökologische Bedingungen andere Arten aussterben lassen. Die menschlichen Aktivitäten beschleunigen heute die Zerstörung und Ausrottung von Arten und verändern damit die evolutionären Bedingungen mit noch weithin unbekannten Wirkungen. Die Fachleute berichten uns, daß täglich 50, 100 oder mehr Arten aussterben. Der schützende Ozonfilter in der Stratosphäre wird durch von Menschen verursachte chemische Prozesse immer löchriger mit wachsenden gesundheitlichen Risiken für Menschen, Tiere und Pflanzen als unvermeidliche Folge. Hinsichtlich regionaler Entwicklungen und Phänomene nenne ich nur die Stichworte Tschernobyl, Golfkrieg mit seinen auch ökologischen Verheerungen, Tankerunglücke, Bruch von Ölpipelines, das langsame Austrocknen des Aralsees usw. - die Liste ließe sich fast beliebig verlängern. Und von den vielen kleinen, schleichenden, unspektakulären Angriffen auf unsere natürlichen Lebensgrundlagen wäre dann noch nicht einmal die Rede. Anlaß zur Sorge besteht in vielfältiger Hinsicht. 3. Warum ist es wichtig, daß sich etwas ändert? Insbesondere für die Bewohner der Industrieländer Europas, Nordamerikas, Australiens und Japans, aber auch für die Oberschichten einer wachsenden Zahl von Entwicklungsländern erfüllte sich in den letzten 5 Dekaden der Traum vom goldenen Zeitalter des schier grenzenlosen Konsums. Kaum ein Angebot, das nicht gemacht, kaum ein Wunsch, der nicht befriedigt wurde. Die Wachstumspotentiale schienen grenzenlos. Grenzenlos war ebenso der Optimismus, daß auch in der Dritten Welt eine vergleichbare Wachstumsdynamik in Gang gebracht und dauerhafte Prosperität erreicht werden könnte. Dieser Optimismus ist verflogen. Die Wachstumsdynamik der Industriegesellschaften hat einerseits breite Wohlfahrtseffekte erbracht, zugleich aber mehrfach in Sackgassen geführt: - Fortschritte werden mit massiver Umweltzerstörung und zunehmender Naturentfremdung bezahlt. - Die soziale Differenzierung zwischen Gewinnern und Verlierern der Wachstumsdynamik nimmt auch in den Industrieländern zu. Immer deutlicher treten Phänomene der gesellschaftlichen Desintegration zutage. Die sozialen Netze beginnen zu reißen. Wer im Wettbewerb der Kräfte nicht mitzuhalten vermag, wird ausgegrenzt. - Massenarmut in der Dritten Welt geht nicht zurück, der Abstand zwischen Nord und Süd vergrößert sich sogar, wobei sich heute das, was Dritte Welt zu nennen wir uns angewöhnt haben, erheblich vielschichtiger darstellt als in früheren Jahren. Die Bandbreite reicht von den Armenhäusern in Subsahara-Afrika bis hin zu den Schwellenländern wie z. B. Brasilien bzw. den asiatischen Wachstumsökonomien wie Indonesien und Malaysia. Viele halten diese Ungleichheit in der Verteilung der Lebenschancen für ein Unrecht, das zu überwinden alle Anstrengungen mobilisiert werden müssen. Das Streben nach Weiterkommen und Entwicklung wohnt zweifellos allen Menschen inne, ist gleichsam universell, wenngleich es sich in unterschiedlichsten Formen und Zeithorizonten äußert. Entwicklung auf dem Produktions- und Konsumniveau der Industriestaaten freilich ist nicht universalisierbar, ist nicht für alle zu haben, es sei denn zum Preis des ökologischen Kollaps. Die entscheidende Herausforderung unserer Zeit liegt darin, menschenwürdige Lebensbedingungen für alle zu schaffen, ohne dabei den Globus gänzlich zu ruinieren. Eine Egalisierung oder zumindest deutliche Annäherung der Lebenschancen in Nord und Süd geht jedoch nicht ohne Veränderungen bei uns, die wir solche Lebenschancen bereits im Übermaß beanspruchen. Gelingt dies nicht, dann riskieren wir, daß diejenigen, die zu den Benachteiligten gehören, sich notfalls gewaltsam beschaffen werden, was ihnen vorenthalten wird. Vorboten davon erkennen wir in den anschwellenden Migrantenströmen.
Die ökologische Krise zeigt die Grenzen eines Systems der maximierten Anhäufung materieller Güter auf. In diesem System ergeben sich Status, Rang, Wert und Bedeutung von Menschen überwiegend aus dem, was sie haben. Das Mehr-Haben-Wollen ist ökonomische Rationalität und Kulturmuster zugleich. Darin ist auch die Tendenz zum Unsolidarischen, zur Entsolidarisierung angelegt. Was kümmert mich der Nächste, der mein Konkurrent ist oder werden könnte? Verstärkt kommen wieder die Elemente einer Wolfsgesellschaft zutage. Was im Sinne kurzfristiger Profit- oder Genußsteigerung sinnvoll oder rational erscheint, erweist sich hinsichtlich der langfristigen eigenen und allgemeinen Interessen als schädlich und höchst irrational. ( Reinhard Hermle, Aachen) [Quelle: Auszug von: http://www.learn-line.nrw.de/angebote/uekontaktsc hulen/medio/Entwicklung/didak_doc/HermleGrenzen .pdf]
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