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Raus aus der EU | Der große Aderlass
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Ende von AEG
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Symbolhaftes Ende von AEG
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Dieter Schubert Es gilt das Wolfsgesetz Für die Nürnberger AEG ist es Zeit zu sterben. Über Jahre fristet die Traditionsmarke bereits ein Dasein am Rande der Wahrnehmbarkeitsschwelle. Von der früheren »Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft« des Emil Rathenau ist nicht mehr viel übrig. Seit der Übernahme durch den schwedischen Electrolux-Konzern werden in der fränkischen Stadt noch Waschmaschinen, Wäschetrockner und Geschirrspülautomaten gefertigt. Die Schweden prüfen nun die Schließung des Werkes, hieß es am Dienstag. Es rentiert sich nicht mehr. 1 750 Beschäftigte verlieren voraussichtlich ihren Arbeitsplatz.
»Weiße Ware«, wie Haushaltsgeräte im Fachjargon genannt werden, verbilligt sich auf dem Weltmarkt zunehmend. In den vergangenen zwei Jahren sei der Preis für Waschmaschinen im Schnitt um 15 Prozent gefallen, hieß es bei AEG. Das hat Ursachen. Eine veränderte weltweite Arbeitsteilung verschärft die Konkurrenz zwischen den Produzenten, wird zum Verdrängungswettbewerb. Technische Geräte können heute fast überall auf der Welt produziert werden. In den sogenannten Schwellenländern ist die Ware Arbeitskraft billiger als in Mitteleuropa oder Nordamerika. Trotz perfekter Technologie, höchster Produktivität, jahrzehntelanger Erfahrung, Vorteilen bei Logistik und Marktkenntnis kann ein hiesiges Unternehmen auf längere Sicht nicht gegen Massenproduzenten aus solchen Staaten bestehen, Nischenprodukte und das Hochpreissegment vielleicht ausgenommen. Selbst der größte »Standortvorteil«, das vergleichsweise sichere gesellschaftliche Umfeld, schlägt irgendwann nicht mehr positiv zu Buche. So wirken ökonomische Gesetze, vor allem das Wolfsgesetz des Kapitalismus: Fressen oder gefressen werden.
Diese Entwicklung berührt alle industriellen Hersteller in den entwickelten Staaten. So verschleudert Siemens seine Handysparte an einen taiwanesischen Konzern, Autohersteller »verlagern« Teile ihrer Produktionskette in »Niedriglohnländer«. Der Wegfall von Handels- und Investitionsschranken – auch Globalisierung genannt – verschärfte den Druck auf den Preis der Ware Arbeitskraft in den entwickelten Staaten. Massenerwerbslosigkeit, Ausweitung des Billiglohnsektors und vor allem sinkende Kaufkraft sind die Folge. Das Kapital jagt nach Profit und zerstört dabei seine bisher größten Absatzmärkte.
Politiker und Wissenschaftler predigen nun, daß der hiesige »Wohlstand« durch Innovation gehalten werden könne. Das wird nicht funktionieren. Von diesem Innovationsbonus profitieren bereits die Unternehmen, denen Deutschland seinen Titel als Exportweltmeister verdankt. Nur etwa einem Drittel der Gesellschaft bringt das steigenden Wohlstand. Zwei Dritteln dagegen bleibt nur noch, im Bild-Deutsch festzustellen: Wir sind AEG. [Quelle: www.jungewelt.de - v. 08.06.05]
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