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Essen aus Tüte, Kübel und Dose | Die Apotheke auf dem Teller  

Hier macht der Chef höchstpersönlich die Tüten auf

... und Dosen auf!

Selbst Spitzenköche in Restaurants und Hotelketten greifen längst nicht mehr nur zu Gefrierkost, sondern stellen ihre exklusiv klingenden Menüs aus vorgekochten und portioniert abgepackten Convenience-Produkten zusammen. Der "Piatto di Pesce raffinato" - Seeteufelkotelett mit Scampi vom Grill auf einer leichten Tomatensoße mit frischem Salbei - , den ein vornehmes Lokal an der Hamburger Alster serviert, besteht aus "Systemkomponenten", die nur noch erhitzt und wohl arrangiert wurden. Geliefert hat sie der Steakhaus-König ..., der mehr als 500 Betriebe in ganz Deutschland mit Convenience-Produkten versorgt. [zit.n. 232] Sie brauchen nur einmal in einen Großhandelsbetrieb für Gastronomiebedarf gehen und schauen was dort alles angeboten wird. Kübel-oder Tonnen-große Eimer mit fertigen Gemüsen, sauer eingelegten Salaten- und Gemüsen, Fertiggerichte noch und nöcher....die ganze Palette was sich nur denken läßt und zum Verfüttern in den Gastronomiebetrieben eignet. Diese Dinge schmecken deshalb auch überall irgendwie immer gleich...Massenware und nichts Eigenständiges oder Individuelles mehr.
Der "gastronomie-report" lobt den schnellen Trend, die "Lebensmittel mit eingebauter Dienstleistung". Convenience - das bedeutet nicht mehr fade Fertiggerichte oder Suppeneintöpfe mit Dosengeschmack, sondern Kreativität nach "Art des Hauses". Die Arbeit vieler Köche besteht nur noch darin, Büchsen aufzumachen, Beutel zu schneiden und Tiefgefrorenes aufzutauen, sagt Bernd Ludwig, Hotelexperte aus Bad Homburg.[232] Die Fertigportionen aus dem Plastikbeutel, die ungeöffnet im Wasserbad erhitzt werden, sparen nicht nur Geld und Arbeitskräfte, sondern kommen auch den Hygienevorschriften in der Gastronomie entgegen.
Die Mogelpackung wird von den wenigsten Gästen durchschaut. Nur manche wundern sich, wie schnell sie (so ein aufwendiges) Menü auf dem Tisch haben.
Was den "besseren" Restaurants billig ist, läuft in einfacheren Betrieben oder gar Kantinen, erst recht so ab. Die Unternehmen verzichten auf teure Kantinen und lassen sich von Catering-Spezialisten aus der Truhe bedienen. Ein Drittel des Gesamtumsatzes der deutschen Lebensmittelindustrie wird bereits im Lieferservice erzielt.

Nun ist jedem, der eine Hamburger-Braterei oder ein anderes Fastfood-Lokal aufsucht, bewußt, daß dort vorgefertigte, zentral hergestellte Waren - Fastfood eben - fertig gebraten und arrangiert werden.

Aber oft bekommt man noch nicht einmal mehr eine deftige gute deutsche Bratwurst oder "Thüringer" (Bratwurst), so auch in Karlsruhe. An jeder Straßenecke aber einen Dönerstand, genug amerikanische Imbißketten, und Pizzerien, da ist wohl nicht nur der deutsche Politiker ein "vaterlandsloser Geselle", sondern der mampfende deutsche Michel wohl auch!?!
Eine Zeitlang gab es ja mal eine "deutsche Bratwurstbräterei" in Karlsruhes Kaiserstraße, ist aber auch schon seit längerem wieder verschwunden. Allenfalls auf dem Weihnachtsmarkt oder der "Messe" (Jahrmarkt) findet man solche Stände noch.

Jedenfalls gehe ich in kein Restaurant mehr essen. An anderer Stelle schrieb ich ja schon, daß diese Betriebe nach der Euro-Umstellung oft auch halbwegs 1: 1 umgerechnet hatten. Für aufgewärmte Beutel zahle ich nicht so viel Geld.
[232, 229, 230, 234, 236, 237]
(B.R.)


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