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Wachstum schafft keine Arbeitsplätze

Jetzt faseln sie wieder vom Wachstum schafft....

Wachstum sichert keine Arbeitsplätze. Rationalisierung: Chance zu allgemeiner Senkung der Arbeitszeit! Kompensation zwischen Jobbenden und Erwerbslosen! Solidarität! Arbeit und Freizeit für alle, zum Menschsein, für Bürgerdemokratie! Die Verflechtung mit Bildung und gesellschaftlicher Alternative. Fangt endlich an mit Politik!
Mehr Impulse für politische Wende!

Nichts hat sich geändert: Sichert Wirtschafts-Wachstum Arbeitsplätze? Nein. Jahrelang lag die Zuwachsquote der deutschen Wirtschaft bei 2 Prozent. Trotzdem blieb die Arbeitslosigkeit nahe 10 Prozent. Dann lag die Wachstums-Quote noch immer bei 1 Prozent, trotzdem stieg die Arbeitslosigkeit um ca. 10 Prozent. Von allen Arbeitsfähigen sind über 11 Prozent erwerbslos, schlimmer noch - sogar 16 % oder 7,2 Millionen: „Nürnberg hat sich schön gerechnet„. Und die Regierung fährt fort – nach Laurenz Meyer, CDU - die offizielle Statistik „mit allen möglichen Tricksereien zu schönen„. (Märkische Oderzeitung 10. März 03 bzw. 7. April 04). Das ist doch klar: Unternehmer müssen – ob sie wollen oder nicht – rationalisieren und Arbeitskräfte entlassen. In der Regel entlassen sie auch Arbeitskräfte, wenn das Wachstum bei 2 Prozent liegt. Entlassen wird immer, zeitlich schwankend. Auch 2005 hat sich nichts geändert.

Neun Forschungseinrichtungen der Euro-Zone erwarten für 2003 und 2004 Wirtschaftswachstum von 1,6 bzw. 1,9 Prozent, zugleich aber Anstieg der Arbeitslosigkeit von derzeit 8,3 auf 8,4 bzw. 8,6 Prozent. (ND 30. 11. 02. Inzwischen sind es über 10 %) Im Juli 2003 wurde in Verarbeitendem Gewerbe und Bergbau mehr Umsatz mit weniger Beschäftigten als im Vorjahresmonat erzielt: 2,3 % mehr Umsatz und 2,6 % weniger Beschäftigte. (Nach ND 17. 9. 03) Mit Blick auf 2004 meint IW-Geschäftsführer Kroker: Von je 100 befragten Unternehmen erwarten 41 % Produktionssteigerung und 34 % Gewinnsteigerung, zugleich aber 35 % Beschäftigungsabnahme. (Nach „Märkische Oderzeitung„ 6.11.03) „Die deutsche Exportwirtschaft hat 2003 trotz der Euro-Aufwertung einen Rekord erzielt.„ (Märkische Oderzeitung 12.2.04) Und das alles schon im zweiten Jahr – so lange schon betrügt man uns. „Die Erde ist eine Scheibe. Schweine können fliegen. Agenda 2010 schafft Arbeitsplätze.„ (IGM-Vertrauensleute in Hamburg.) Ob Unternehmer wollen oder nicht: Das macht der Konkurrenzkampf. Edzard Reuter, viele Jahre lang Chef der Daimler-Benz AG, sagte in einem Interview: „Solange wir ein Wirtschaftssystem haben, dass auf dem Prinzip beruht, dass eine Investition sich amortisieren muss, so lange gibt es keine Möglichkeit, sämtliche Arbeitsplätze auf Ewigkeit zu garantieren.„ (Neues Deutschland, 14.2.04)

Seit 2004 hat sich nichts geändert. Das ist mit Dutzenden öffentlichen Informationen belegbar. Es ist mir zu langweilig, das Offensichtliche mit Schwärmen von Meldungen zu belegen. Stellvertretend Zeilen aus einer gewöhnlichen Tageszeitung am 31. März 05: „Zum zweiten Mal in Folge senkten die Bürger ihre Erwartungen an die Konjunkturentwicklung und die Entwicklung ihrer persönlichen Einkommen ..... Zu sehr zeigen sich die Konsumenten verunsichert von der desolaten Lage am Arbeitsmarkt .... Die Arbeitslosigkeit und die Angst davor ist das Top-Thema ..... Denn auch gute Gewinne schützen die Beschäftigten nicht vor einem Verlust ihres Arbeitsplatzes .....„ (Märkische Oderzeitung) ARD sendet am 31. März 05 spät abends (22.30 Uhr) „Wie für Rekordgewinne Arbeitsplätze vernichtet werden.„ Die Linken wissen das längst, aber sie sind jetzt eingeholt von vielen Medien. Jetzt müssen sich die Linken Konzepte ansehen, die zeigen, die weiterführen: Wie um Alternative gekämpft werden kann. Die Linken müssen überlegen, wie sie dabei helfen wollen. Jetzt!

Die Gewerkschaftszeitung VER.DI PUBLIK (04 2005) publiziert unter der Überschrift „Gegen die Zeiträuberei. Arbeitszeit verkürzen, Jobs und Lebenszeit gewinnen„ Worte zu der Frage „Was bringen mehr Stunden im Betrieb wirklich?„ Antwort: „Mehr Arbeitslosigkeit. Die gleiche Zahl von Beschäftigten produziert mehr Produkte, die im Inland keiner kauft. So entstehen Personal-Überkapazitäten – und es müssen wieder Menschen entlassen werden ..... Arbeit muss fair umverteilt werden, zwischen Erwerbslosen und Arbeitenden ..... setzen wir uns für eine kurze Vollbeschäftigung von 30 Stunden ein, mit einem gestaffelten Lohnausgleich für untere und mittlere Lohn- und Gehaltsgruppen....„

Das einzige, was sich geändert hat in den letzten Jahren: Die Absicherung der Erwerbslosen ist durch Hartz IV zum Skandal geworden, und die Dauer des Elends ist gewachsen. Die Dauer eines Phänomens ist selber ein Fakt. Die wachsende Dauer der Zustände ist unmittelbarster Beweis für die Lügenhaftigkeit der Behauptung, Wachstum bringe Arbeitsplätze, oder gar für die Lügenhaftigkeit der Behauptung, Steuernachlässe für die Konzerne brächten Arbeitsplätze. Selbst in Regionalzeitungen kommen Zweifel an Hartz IV auf. Das Wort „Hartz-Flop„ erscheint schon mal als Überschrift einer Kolumne. Mitte März 2005 scheinen sogar beim Bundeskanzler, dem die Wählerschaft entgleitet, erste Zweifel aufzukommen, ob seine Agenda 2010 das Richtige ist: Der Bundeskanzler meint, den Konzernen wäre von seiner Regierung der Boden bereitet worden, nun endlich müssten die Konzerne Arbeitsplätze schaffen. Damit ist gewiss noch keine Wende eingetreten, aber Linke, Gewerkschafter und Arbeitslose, wenn sie denn Zeitung lesen, könnten sagen: Siehste, Kanzler, da haste mal richtig gedacht, und jetzt werden wir von Dir fordern, dass Du Deine Ahnung lauter aussprichst und verstetigst.

In den letzten zwei Jahren haben Wachstums-Unfug und den Konzernen geschenkte Steuern den Wahnsinn gesteigert. Schon wird unterm Druck der Angst Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich massenhaft geduldet, manchmal aber auch schon von Belegschaften abgewiesen: Lieber weniger Geld in der Tasche als Hartz IV.

Schon das klassische Überstunden-Unwesen war schlimm genug:

Um ihren Platz zu halten, rackern viele Beschäftigte weit „über Norm„ und leisten außerdem noch Überstunden. Erschlafft sinken sie abends auf ihr Sofa. Für die Familie, für die Kinder ist weder Zeit noch Kraft geblieben. Gewaltbereitschaft steigt. Das B.A.T.-Institut Hamburg ermittelte, der Ruf nach Schaffung von Arbeitsplätzen sei von 70 % Probandenanteil 2002 auf 78 % im Jahre 2003 gestiegen. 80 % der Jugendlichen bis zu 19 Jahren fürchten Ausbildungs- und Arbeitslosigkeit. (dpa/ND Dezember 03)

Acht Millionen finden überhaupt keinen Arbeitsplatz. „Das Problem ist nicht die Vermittlung, sondern das sind die fehlenden Arbeitsplätze.„ (Leiterin eines Arbeitsamtes. Märkische Oderzeitung 22.1.03) Also schon vor zwei Jahren! Seitdem hat die Zeitung viele erschütternde Berichte veröffentlicht, in denen unterschwellig Hartz IV angeprangert ist. Ich kenne Fälle, wo Auch-Menschen vor Jahren zu einer Verleih-Firma gingen, die viel besser vermittelt als das Arbeitsamt. Sechs Jahre lang ging das. Bei der Verleihfirma nahmen sie 30 Prozent Unterbezahlung in Kauf, Verzicht auf Urlaubsgeld usw., einfach deshalb, weil sie nach hundert vergeblichen Stellengesuchen die Faxen dicke hatten. Doch sie wollen arbeiten. Sie wollen lebendig und im Training bleiben und ihren Kindern Vorbild. Auch ihre Kinder sollen fleißig werden und zuverlässig. Doch jetzt? Beispiel: In einer Verleih-Firma sind 10 Personen als „Hauptamtliche Stellensucher„ ständig in Bewegung, um für 100 hochqualifizierte Leute Jobs zu besorgen. Dazu müssen die „Hauptamtlichen„ durch ganz Deutschland reisen, mit Bahn, Auto und Flugzeug. Obwohl sie viel effektiver sind als Arbeitsämter - jetzt hilft auch das nicht mehr. Die Verleihfirma ist Pleite. Alle 100 Klienten arbeitslos. Arbeitslosengeld wird nach dem bisherigen Unter-der-Norm-Gehalt bemessen.

Rolf Hochhuth sagt: Das Bedrohlichste für die Arbeitslosen ist, dass sie morgens im Bett bleiben, wenn ihre Frau – sofern sie noch Arbeit hat – zur Arbeit geht. Wir sehen, wie Männer seelisch kaputtgemacht werden, weil sie jahrelang herumsitzen. Wenn der Vater den ganzen Tag zu Hause hockt, werden die Kinder ihn irgendwann fragen: `Papa, was willst du denn später mal werden?`„ (Mehr in „MacKinsey kommt.„) Eine Mutter sagte mir schon vor zwei Jahren: „Hätte ich das geahnt – ich hätte keine Kinder geboren und wäre ins Ausland gegangen.„ Erschütternde Dokumente zum Befinden von Arbeitslosen siehe Wolfgang Engler: „Die Ostdeutschen als Avantgarde„. Mit der Zeit gehen alle kaputt, alle. Die einen rackern zu viel, die andren kriegen überhaupt keinen Job. Das macht die Wahnsinnsformel: „Arbeitslosigkeit plus Überstunden mal Arbeitshetze„.
[Dr. habil. Rainer Thiel www.thiel-dialektik.de ]


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