Die Wohlstandsmentalität hat das in Deutschland seit jeher ohnehin schwach entwickelte politische Denken schnell verkümmern lassen. Während noch der Konsum als Allesbeherrscher die Gesellschaft regiert, zeichnen sich die Konturen des Niedergangs schon unübersehbar ab. Der kleine Mann ist dem Konsumterror einer rastlos produzierenden Güterindustrie verfallen. Er wählt längst nicht mehr aus eigener Entscheidungsvollmacht unter dem immensen Warenangebot. Sein Konsum wird im Gegenteil immer wahlloser, nur eingeschränkt in den Bereichen der Gesellschaft wo zunehmend das Geld knapper wird. Im allgemeinen ist man nicht bereit oder fähig, sich mit den Phänomenen des Alltags und der Gesellschaft kritisch auseinanderzusetzen. Man läßt sich von einer Welle der Bequemlichkeit ziellos davontragen, ohne an morgen zu denken. Die geistige Anspruchslosigkeit ist kaum noch zu überbieten. Die Manifestionen unserer Massenkultur wie Boulevardpresse, Illustrierte, Heftchenreihen, Magazine, aber insbesonders auch die Darbietungen von Film, Funk und Fernsehen markieren dann auch die jammervolle Trivialität des kulturellen Anspruchs der Massen.
Dazu ermutigt der notorische Mangel an Kritikfähigkeit immer wieder eine dünne Schicht von Praktikern der Machthaber, die Erfüllungsgehilfen der Ober- und Hintertanen der Gesellschaften, die öffentliche Meinung zu manipulieren. Gerade diese Manipulierbarkeit des modernen Menschen bestätigt wiederum den arg reduzierten Stand seines Tagesbewußtseins, vom Hintergrundwissen will ich hier gar nicht reden. Der Konsument von heute bietet jedenfalls keinerlei Garantie für eine geistige Renaissance; er ist nicht einmal mehr dazu disponiert, unsere derzeitige wirtschaftliche Konjunktur auf die Dauer zu behaupten. Auf vielen Gebieten, auf denen wir tradionsgemäß führend waren, liegen wir nämlich bereits weit abgeschlagen im Feld. Auch der Nimbus der deutschen Qualitätsarbeit hat in der Welt bereits merklich Einbuße erlitten. Wir sind und waren in erster Linie ein Vasallenstaat von amerikanischen Gnaden, eine amerikanische Kolonie und werden zunehmend aufgemischt und aufgekauft von diesem Kapital. Die europäischen Völker scheinen zunehmend die Fähigkeit einzubüßen, brauchbare Zukunftsprojekte und gesellschaftlich tragfähige Konzepte zu entwickeln.Der Wille zum Überleben ist gering wie der Widerstand gegen heraufziehende Gefahren. Unter diesen Umständen haben die europäischen Industrieländer im Globalisierungskrieg zunehmend schlechtere Karten, an vorderster Front Deutschland.
Der Persönlichkeitsabbau hat unter diesen heutigen Umständen solche Ausmaße angenommen, daß der einzelne kaum noch imstande ist, seine Individualität gegenüber den Mächten kollektiver Verführung und Manipulation zu behaupten. Er hat jede zentrale Steuerung verloren und orientiert sich nur noch nach dem Komment einer allgemein verpflichtenden gesellschaftlichen Ordnung, die ihm die Gesetze seines Verhaltens vorschreibt. Aber eben diese Zersplitterung der Persönlichkeit und der Verlust der Menschlichkeit gehört zu den gravierenden Zeitkrankheiten.
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