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Verwundete Heiler
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Wenn Therapien schaden...
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Kritische Analyse (Fallbericht)
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Wenn Therapien schaden Kritische Analyse einer psychotherapeutischen Fallgeschichte
„Ich bin mit Vera Becker einig darüber, daß die moderne Psychotherapie häufig nicht heilt, weil sie selbst krank ist. Die Psychotherapie ist zum Teil kränker als die Patienten, denen sie zu helfen versucht, und darum macht sie ihre Patienten auch nicht selten kränker, als sie vorher waren. (29)
„Der verwirrenden Schulenvielfalt entspricht keine vergleichbare Vielfalt an Ideen und Hilfsmöglichkeiten”. (35)
„Was die meisten aber für unmöglich zu halten scheinen, ist, daß ihre Therapiemethode oder zumindest die Anwendung ihrer Methode in einem bestimmten Fall fragwürdig oder verfehlt sein könnte”. (43)
„Ein erster Verdacht, daß es mit den Erfolgen der Psychotherapie nicht so steht, wie es die Psychotherapeuten selbst und mit ihnen das öffentliche Bewußtsein wahrhaben wollen, könnte gerade aus der unerklärlichen Vielfalt der immer neuen Lehren und Schulen genährt werden”.
„...Jeder der Schulengründer kam nach seinen eigenen Bekundungen durch die Erfahrung des Mißerfolgs herkömmlicher Methoden zu seinen Neuerungen”. (45)
„Daß sich die Psychotherapie in einem Zustand der Verwirrung und Zersplitterung befindet, kann nicht ernsthaft geleugnet werden”. (47)
„...., aber es ist in Wirklichkeit doch so, daß ich seit Beginn der Therapie noch zusätzliche Symptome entwickelt habe, die vorher nicht da waren. - und das macht mich sehr stutzig.”
„Und es macht mich wütend, daß der Mangel an wirklichem Erfolg immer beim Patienten gesucht wird und Sie Ihr Konzept somit nie in Frage stellen”.(66/67)
„ (Abwehrtheorie)...Wenn dies nicht geschieht, bleibt der betreffende Mensch für neurotische Störungen anfällig, die der Struktur seines unbewußten seelischen Konfliktes folgen, da diese Struktur jederzeit durch ungünstige Umstände wieder reaktiviert werden kann (108) Heute fürchten Psychoanalytiker in der Regel die Behandlung der Angstneurose, da die Erfolge selten und gering sind. (109)
„...,daß auch der Therapeut Vera Beckers auf ihre Klagen, die Angstanfälle würden schlimmer und schlimmer und schlimmer, beruhigend und beschwichtigend reagiert. (119)
Der nächste Bericht aus der Klinik Mennigrode:
„..., daß auch dort die Therapie vor allem an der Mißachtung der Ängste scheiterte, die nun einmal das Wesen einer Angstneurose ausmachen. Die depremierende Reihe von Fehlschlägen, über die Vera Becker ..berichtet ..zeigt wieder und wieder, wie ein Therapeut nach dem anderen das Wesen der Angstneurose mißversteht und weiteres Unheil anrichtet.... . (Hans-Jörg Hemminger) (161)
„Eine Überschätzung der eigenen Methoden ist in der Psychotherapie, deren Schulenstreit
Keine allgemein anerkannten Diagnosen und Indikationen zuläßt, leider sehr verbreitet.(339)
Es müßte den Therapeuten, die gesellschaftlich geachteten Schulen und Institutionen angehören, eigentlich bitter ankommen, von einer Patientin hören zu müssen, daß sie bei den Neo-Samnyasins mehr Toleranz und Selbstkritik gefunden habe als bei Fachleuten, die ihre Arbeit für wissenschaftlich fundiert halten. Die „Kunst des Zweifelns” bildet in der Tradition der abendländischen Wissenschaft Ausgangspunkt und Grundlage allen Wissens und aller Erkenntnis. Wer diese Grundlage verläßt, verläßt auch den Boden der Wissenschaft, und wenn er sich mit noch so vielen Diplomen und Titeln schmücken darf. (351)
Fazit:
Die Hilflosigkeit des Patienten
Insgesamt ist eine erhebliche Verschlimmerung eingetreten. Es ist also nicht nur kein Erfolg im Sinne einer Besserung zu verzeichnen, sondern durch die Therapien hat sich die Symptomatik noch verstärkt. ...........Eine solche Argumentation entspricht der Art, wie die meisten Therapeuten ihre eigene Unzulänglichkeit und Verantwortungslosigkeit vor sich selbst und anderen entschuldigen.(402) „Die narzißtische Selbstüberschätzung: Die magische Überschätzung der eigenen Hilfsmöglichkeiten, gekoppelt mit dem unbeirrbaren Glauben an die eigene Methode, ist unter Psychotherapeuten weit verbreitet. (404)
Der ideologische Zwang
„Gerade diese Reaktion ist ein Beweis dafür, auf was für wackligen Füßen die Therapeuten stehen - sind doch anscheinend nur in der Lage, mit Klienten zu arbeiten, die sie bedingungslos akzeptieren und aufwerten. (407)
Je nach Lehrmeinung kann ein und dasselbe Problem auf extrem unterschiedliche Weise interpretiert werden. Allein in meinem Fall sind folgende Diagnosen gestellt worden: larvierte Depression, Hysterie, Borderline-Syndrom, Angstneurose, vegetative Dystonie, endogene Depression, Anorxie, reaktive Depression. Diese Aufzählung veranschaulicht sehr deutlich das Dilemma. (409)
Hansjörg Hemminger ist Verhaltenswissenschaftler und hat selbst als Therapeut gearbeitet.
[Hansjörg Hemminger, Vera Becker: Wenn Therapien schaden- 11-16 Tausend Aufl.,1985][]
Dieses Buch gehört in die Hand eines Jeden der nur irgendwie mit Therapien zu tun hat.
Vera Becker hat am ehesten eine Angstneurose.
Sie hat Psychoanalyse, Primätherapie, Verhaltenstherapie, Gesprächstherapie, Kliniken, Psychiater etc. „Durchgemacht” bzw. „Durchgelitten”. Es ist erschreckend was alles unter dem Deckmantel der „Wissenschaftlichkeit” und Therapie daherkommt. Ausgewählt habe ich exemplarisch dieses Buch, weil es relativ bekannt ist. In meiner Bibliothek finden sich noch weit mehr solcher Berichte und Bücher. Im Schlußgespräch schreibt sie:” Zu der Befürchtung, man könne mich für „nicht kritikfähig” halten, will ich Stellung nehmen: Ich habe nicht nur eine langjährige praktische Therapieerfahrung hinter mir, sondern dazu ein über zwanzigjähriges Studium der einschlägigen Fachliteratur. ... Der relative Vorteil einer Neurose besteht aber darin, daß man oft sehr gut in der Lage ist, eigenes und fremdes Fehlverhalten zu erkennen und zu analysieren. Das Problem liegt vielmehr darin, daß man nicht weiß, wie man es ändern kann”.( 419)
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