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Irrsinn des Zeitalters | Viele wollen immer mehr
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Die Reprivatisierung des Lebens
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Zeitalter der Gigantomanie,
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Die künftige Richtung der Wissenschaft und Technik, der Ökonomie und des Staates
Das Zeitalter der Gigantomanie, das Zeitalter der Megamaschine, wie es Mumford nennt, rast in schnellem Tempo seinem sicheren Ende entgegen. Seine Struktur beruht vor allem darauf, daß man mittels billiger Energie — außerordentlich billig war bis 1973 das Erdöl — die Rohstoffe, die Produkte und die Menschen unentwegt von Land zu Land transportiert. Damit wurde die Ausbeutung aller Winkel der Erde möglich, woraufhin schließlich alle Kontinente etwa gleichzeitig erschöpft sein werden.
Martin Heidegger erkannte das 1935: »Wenn die hinterste Ecke des Erdballs technisch erobert und wirtschaftlich ausbeutbar geworden ist... dann greift immer noch wie ein Gespenst über all diesen Spuk hinweg die Frage: wozu? — wohin? — und was dann?«470
Als die »Grenzen des Wachstums« bekannt wurden, gab es zunächst eine Welle von Planentwürfen, die dem Verhängnis begegnen sollten. (Auch der Club of Rome verfertigte in der Folgezeit solche Entwürfe.) Diese waren beherrscht vom Glauben an die technische Machbarkeit aller Dinge. Der Ruf nach neuen Erfindungen wurde laut, nach Staatszuschüssen und neuen Gesetzen. Nicht wenige verlangten Pläne für die ganze Welt, womit die Probleme »gelöst« werden sollten.
Nach und nach verbreitet sich nun die Erkenntnis, daß solche systemkonformen Vorschläge, die ganz dem Denken des mechanistischen Zeitalters entsprachen, keineswegs ökologisch waren, vielmehr die Probleme noch verschlimmern würden. Denn sie schlagen zur Heilung aller Übel eine größere Dosis der gleichen Medizin vor, welche die Krankheit verursacht hatte. Die letzten Jahre sind dadurch gekennzeichnet, daß diese Planungen steckenblieben oder gar nicht erst zur Anwendung kamen. Damit konnte, wenn schon die falsche Richtung beibehalten wurde, wenigstens Zeit gewonnen werden. Denn der Zug des »Fortschritts«, der bisher immer noch die Geschwindigkeit elegant steigern konnte, hat jetzt Mühe, Fahrt zu halten, und schlingert unruhig dahin.
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Das Bremsen und Anrucken schlägt gelegentlich den Passagieren auf den Magen. Doch was geschieht nun in der unmittelbar vor uns liegenden Phase? Wie können wir die Atempause vernünftig nutzen?
Vor der Erschöpfung kommt zwar die Verteuerung. Aber die Verteuerung kommt nicht früh genug, um noch reichlich Vorräte für künftige Generationen zu retten; zumal geburtenreiche arme Völker oft vom Verkauf ihrer Vorräte leben und die Reichen weiterhin Verfechter des steigenden Verbrauchs sind. Dennoch werden sich die Völker bemühen, ihre Bodenschätze zurückzuhalten, da ihr Wert unaufhörlich steigen wird. Der sich fortwährend erhöhende Preis für Energie und Rohstoffe wird zu gravierenderen Auswirkungen führen, als sie beim Erdöl bereits wirksam geworden sind. Auch die reichen Völker müssen von Jahr zu Jahr mit den Rohstoffen sparsamer umgehen und den Verbrauch drosseln.
Diese Entwicklung ändert die Grundlage der Volkswirtschaften. Die Voraussetzung für das technische Zeitalter war die billig verfügbare Energie und der billig verfügbare Rohstoff, der zu Maschinen und Verkehrsmitteln verarbeitet wurde. Folglich war es immer rationell, energiebetriebene Maschinen statt der teuer gewordenen Menschen einzusetzen. Die Arbeitskräfte in den Industrieländern werden nicht darum viel höher bezahlt, weil sie persönlich mehr leisten (im Gegenteil: ihre Arbeitszeit ist verkürzt und schwere Arbeit verrichtet die maschinelle Energie) als vor der Industrialisierung oder als in den Entwicklungsländern, sondern weil sie ausgiebig an den Produktionsleistungen partizipieren, die von den Maschinen und der Energie erbracht werden. Wenn aber in den nächsten Jahrzehnten energiebetriebene Maschinen immer teurer werden, da die Grundstoffe verknappen — wogegen die menschlichen Arbeitskräfte immer billiger werden, weil ihre Zahl exponentiell zunimmt — dann wandelt sich der Begriff »Rationalisierung« ins Gegenteil: Rationalisieren heißt dann, Energie und Rohstoffe sparen, hingegen mehr der billigen Menschen einsetzen.
Da die Grundstoffe in Zukunft der knappste Faktor auf dieser Welt sein werden, bei dem folglich die größte Sparsamkeit zu walten hat, sollte ihr Verbrauch heute schon versteuert werden. Wenn das die Staaten sofort täten, dann würden sie die künftige Verteuerung vorwegnehmen und somit einen heilsamen Zwang auf die Firmen und Verbraucher ausüben, damit sie sich auf die künftige Zwangslage der teuren Ressourcen allmählich umstellen.
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Gegenwärtig wird die Arbeit viel höher besteuert als die Ressourcen, also die Tendenz verstärkt, die teure menschliche Arbeitskraft hinwegzurationalisieren. Damit wird die Arbeitslosigkeit erhöht und die Schwarzarbeit begünstigt, da der Schwarzarbeiter die immensen Steuern und Sozialabgaben umgeht.
Weil die Grundstoffe von den Industrienationen zum größten Teil importiert werden müssen, könnte argumentiert werden, daß dann die Ursprungsländer selbst ihre Lieferungen verteuern würden. Doch zum einen ist die Verteuerung durch die Steuer beim Erdöl (Benzin) schon seit jeher gang und gäbe. Zum anderen werden die Verkäufer immer so viel von ihren Bodenschätzen verkaufen, wie sie müssen, um gegenwärtig zu leben, nicht so wenig, wie langfristig richtig wäre. Die Dämpfung der Nachfrage in den Industrieländern hätte eine geringere Nachfrage auf dem Weltmarkt zufolge, was preisdämpfend wirken würde. Ein erwünschter Nebeneffekt in den Industrieländern wäre der, daß die Wiederverwendung der Abfallstoffe, weil diese unbesteuert blieben, viel schneller in die Zone der Rentabilität käme.
Wenn aber die Industrieländer, z.B. die der Europäischen Gemeinschaft, sich nicht zu einem solchen vorausschauenden Schritt entschließen können, dann wird die Verteuerung, die 1973 begann, auch so fortschreiten; sie wird nur eine weniger vorbereitete Wirtschaft treffen, unter Umständen so überraschend wie damals die Ölverteuerung.
Weitere Umwälzungen der industriellen Wirtschaftsstrukturen kommen unweigerlich: Die automatisierte Produktion war bisher wirtschaftlicher, weil sie in konzentrierter Form, in Riesenkombinaten erfolgte. Dagegen war die manuelle Arbeit in vielen kleinen, dezentralisierten Produktionsstätten teuer. Doch die zentralistischen Großbetriebe sind nur so lange ökonomisch, wie die Transporte billig sind. Verteuern sich jedoch die Treibstoffpreise, die Fahrzeuge und die Verkehrskosten auf das Vielfache, dann wird es nicht mehr lohnend sein, die Rohstoffe über Tausende von Kilometern hin zu transportieren – oder auch nur Hunderte von Kilometern. Ebenso werden lange Wege zu den Arbeitsplätzen künftig unrentabel sein. Die völlige Mobilität der Menschen durch das Automobil förderte in den letzten Jahrzehnten auch die Zentralisierung der öffentlichen Verwaltungen und der Schulen, deren sonstige Absurditäten schon beschrieben wurden.
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Zusammenfassend läßt sich sagen, daß schon rein ökonomische Entwicklungen in Zukunft eine dezentralisierte Wirtschaft und Verwaltung nicht nur fördern, sondern erzwingen werden. Würde man das bereits in den jetzigen Planungen berücksichtigen, dann könnten Fehlinvestitionen vermieden werden, deren Größenordnungen insgesamt Hunderte von Milliarden DM erreichen. Hinzu kommt ein politisches Argument. In den unvermeidlichen Turbulenzen der Welt wird der globale Austausch nicht mehr funktionieren. Wehe dem Land, das sich dann nicht schlecht und recht selbst versorgen kann.
Nach dem jetzigen Stand der Dinge ist allerdings zu vermuten, daß die Völker erst unter dem Zwang der Fakten den »Mythos der Maschine« abschütteln werden. Wenn Lewis Mumford recht behält, »daß eine Katastrophe zur Voraussetzung einer wirksamen Erziehung geworden ist«,471 dann wird der gefährliche Weg bis zum bitteren Ende fortgesetzt werden. Siegt jedoch auf Grund vorausschauender Erwägungen die Einsicht früher, dann bleibt uns nicht nur die Vergeudung von Milliarden, sondern vielleicht auch die schlimmste Katastrophe für Mensch und Umwelt erspart.
Dazu ist auch eine kulturelle Wende nötig, wie Mumford betont:
»Überwindet jedoch die Menschheit den Mythos der Maschine, dann kann eines mit Sicherheit vorausgesagt werden: Die unterdrückten Komponenten unserer alten Kultur werden die dominierenden in der neuen Kultur sein; und die gegenwärtigen megatechnischen Institutionen und Strukturen werden auf menschliche Maße zurückgeführt und unter direkte menschliche Kontrolle gebracht werden.«472
Der konservative Rückgriff auf alte bewährte Lebensweisen und Kulturformen wird oft mißverstanden oder absichtlich in Mißkredit gebracht. Er kann nicht bedeuten, daß der Mensch wieder in einer Naturidylle leben wird. Die ist unwiederbringlich verloren. Es geht nicht um das Abschaffen technischer Errungenschaften, soweit sie wirklich Errungenschaften sind. Es geht nach der kritiklosen Euphorie um eine nüchterne Bestandsaufnahme all dessen, was uns weiterhilft, und dessen, was uns tiefer ins Verhängnis treibt. Ich stimme mit dem Atomphysiker Werner Heisenberg überein. Er sagte 1975, kurz vor seinem Tode: »Man wird also einen Weg in der Mitte beschreiten müssen, auf dem man Technik und Wissenschaft nicht einfach ihrer Eigengesetzlichkeit überläßt, sondern versucht, sie wieder ganz in die Hand zu bekommen, um sie in wohlüberlegter, vorsichtiger Weise in den Dienst des menschlichen Lebens auf der Erde zu stellen.«
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Somit unterstellt Heisenberg sehr deutlich, daß Technik und Wissenschaft sich jetzt nicht in der Hand des Menschen befinden und nicht im Dienste des Lebens auf dieser Erde stehen. Diese Bedingung muß erst hergestellt werden, um den wirklichen Bedürfnissen des Menschen gerecht werden zu können.
»Dazu wird ein Umdenken an vielen Stellen notwendig sein. Man kann vermuten oder hoffen, daß gegenüber dem materiellen Wohlstand andere Werte wieder in den Vordergrund treten. Die Aufgabe, die hier gestellt ist, wird sich auch an vielen Stellen in unzählige kleine Teilprobleme auflösen, zu deren Bewältigung Jahrzehnte notwendig sind. Aber auch diese Teilprobleme können nur in rationaler Weise gelöst werden, d.h. die Wissenschaft wird bei ihrer Lösung wieder eine wichtige Rolle spielen. Dies wird auch dann richtig bleiben, wenn im Prozeß der Umwertung der Werte die irrationale Seite des Lebens an Bedeutung gewinnt. So kann man hoffen, daß sich in der Beziehung zwischen Gesellschaft und Wissenschaft schließlich ein neues Gleichgewicht einstellt, das den wirklichen Bedürfnissen der Menschen, den materiellen wie den geistigen, in angemessener Weise gerecht wird.«473
Geradezu sensationell ist die Aussage des Physikers, daß die irrationale Seite des Lebens an Bedeutung gewinnen wird.
Doch bleiben wir zunächst bei den Aufgaben der Wissenschaft und der Technik. Sie werden nicht leichter, sondern komplizierter. Es genügt hinfort nicht mehr, daß eine Sache »funktioniert« – sie muß zusätzlich so funktionieren, daß die Umwelt nicht weiter zerstört wird, daß möglichst wenig Ressourcen verbraucht werden beziehungsweise später wieder verwendbar sind – und daß die menschliche Lebensweise auf Dauer qualitativ verbessert statt ständig weiter beeinträchtigt wird. Hier liegt die Befürchtung nahe, daß Wissenschaft und Technik so viele zusätzliche Forderungen gar nicht erfüllen können. Auf jeden Fall werden Wissenschaftler und Techniker eher zuviel als zuwenig Nüsse zu knacken haben, so daß die Beschäftigung vieler in Aussicht steht. Um überhaupt an die Aufgaben herangehen zu können, werden künftige Techniker ökologisches Wissen nötig haben.
Die weitere Notwendigkeit von Wissenschaft und Technik darf uns aber keineswegs zu der Annahme verleiten, daß sie schon alles schaffen würden und uns radikale Umstellungen ersparen könnten, damit ein jeder fröhlich so weiter lebe wie zur Zeit.
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»Nur eine grundlegende Umorientierung unserer vielgerühmten technologischen Lebensweise wird diesen Planeten davor retten, zu einer toten Wüste zu werden. Und ohne eine solche weitreichende Veränderung der menschlichen Wünsche, Gewohnheiten und Ideale werden die notwendigen materiellen Maßnahmen zum Schutz der Menschheit – von deren weiterer Entwicklung ganz zu schweigen – nicht angewendet werden können.«474
Mit diesen Worten betont Mumford wie Heisenberg, daß wir nicht nur einen Weg gehen dürfen, den technischen, wenn er auch steigende Bedeutung gewinnt. Denn entscheidend ist der ökologische, der die Grundlagen alles Lebens aufrechterhält, der jetzt noch sträflich vernachlässigt wird. Der Mensch kann nicht ohne Technik leben, aber erst recht nicht in einer Umwelt, die den Gesetzen der Technik statt denen des Lebens gehorcht.
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Das Zeitalter der Megamaschine: Kapital
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Anpassung heißt das Gebot
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Alle Erwägungen, die ökonomischen, die biologischen und die psychischen, laufen kategorisch auf die materielle Sparsamkeit hinaus. Sinnlose Verbrauchsgewohnheiten müssen aufgegeben, die Tänze um das goldene Kalb abgebrochen und überflüssiger Konsum eingestellt werden. Wenn das geschieht, dann wird der Markt wieder seine echte Funktion erfüllen – allerdings in der Richtung, die seine eifrigsten Propagandisten in den letzten Jahrzehnten völlig ausgeklammert haben: in die verminderte Nachfrage.
»Nichts Menschlicheres könnte es geben, nichts Erfreulicheres, nichts Ehrenvolleres für die Sache, der zu dienen das Wirtschaftssystem organisiert wurde«, schrieb Eduard Heimann bereits 1963. Aber gerade das wollen die Politiker unter allen Umständen verhindern, weil sonst nach ihrer Meinung die Wirtschaft zusammenbrechen werde.475
Die Verfechter der geheiligten Selbstregulierungskräfte des Marktes gingen offensichtlich davon aus, daß diese Kräfte immer nur in Richtung der Nachfragesteigerung wirken würden. Nachdem jetzt das Gegenteil eintritt, plädieren nicht wenige von ihnen für Eingriffe des Staates, um die Nachfrage anzuheizen. Das beweist, daß sie gar keine Marktwirtschaft wollen, sondern »Wachstumswirtschaft« um jeden Preis – auch um den der Umweltvernichtung und der Selbstvernichtung.
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In den letzten Jahrzehnten haben die Staaten und die Großunternehmen die Kräfte des Marktes immerzu reduziert. Das hat im einzelnen Galbraith nachgewiesen. Das langfristig planende Großunternehmen kann auch gar nicht anders als die Produkte, für die es gebaut war, schließlich an den Mann zu bringen, koste es (an Werbung) was es wolle. Auch in Deutschland bezeichnet es der Ökonom Edzard Reuter als »Heuchelei, wenn behauptet wird, daß der Preis unserer in großem industriellen Maßstab hergestellten Produkte ausschließlich oder überwiegend durch Angebote und Nachfrage bestimmt werde. In Wirklichkeit sind es nämlich in weiten Bereichen längst die Herstellkosten, die den Preis bestimmen und – da sie Ausdruck des sozialen Wohlstandes und damit auch der politischen Stabilität sind – unsere Staaten offensichtlich zur Hilfe zwingen, sollte der Wettbewerb ihre Weitergabe am Markt gefährden.«476
Daß es noch einen Markt gibt, der wirklich auf Angebot und Nachfrage kurzfristig reagieren kann, ist das Verdienst der Handwerks- und Kleinbetriebe, die noch flexibel in ihren Entscheidungen geblieben sind. Ihren Anteil im Zuge der Dezentralisierung wieder zu vergrößern ist Aufgabe der Politik und automatische Folge der oben geschilderten Dezentralisierungszwänge.
Die nötige Verzichtbewegung brächte die derzeitige Verschwendungsökonomie frühzeitiger an ihr Ende, als dies der Mangel an Ressourcen ohnehin besorgen wird. Es kommt jetzt, wie Mumford es formuliert, darauf an, »äußerliche Zwangsrituale durch innerliche Selbstdisziplin, Entpersönlichung durch Persönlichkeitsbildung, Automation durch Autonomie zu ersetzen«.477 Das heißt ins Praktische gewendet: »Gäbe es geistig-seelisch reifere Konsumenten, so müßten sich auch die Produzenten umstellen. Gegen die Macht der starken Charaktere wären auch die stärksten Konzerne machtlos.«478
Wenn jedoch die betroffenen Bürger nicht die Vernunft und die Kraft aufbringen, sich aus freien Stücken aus den Fesseln der »Konsumzwänge« zu lösen, dann hätten sie bewiesen, daß sie zur Freiheit nicht fähig sind, und sollten besser aufhören, die Phrase von der »Emanzipation des Menschen« im Munde zu führen. Die richtig verstandene Freiheit jedes Einzelnen kann künftig nur darin bestehen, das ihm Gemäße zu erstreben; die Zumutungen eines Roboterdaseins dagegen abzulehnen.
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Jedes Lebewesen paßt sich seiner natürlichen Umwelt an, teils unter Zwang, teils freiwillig. Und der Mensch hat eine besonders herausragende Anpassungsfähigkeit bewiesen. Er kann in der kalten Eiswüste leben wie die Eskimos oder in der heißen Wüste wie die Beduinen. Er kann im feuchten Urwald wohnen oder seine Herden in der trockenen Steppe weiden. In allen Regionen hat er entsprechende Fähigkeiten entwickelt und sich kulturelle Errungenschaften erworben. Unter den jeweiligen Umständen hat er sich eingerichtet und glücklich gelebt. Und das war gut so; nur auf diese Weise konnten alle gerade noch erträglichen Landstriche unseres Planeten besiedelt werden. Jeder Stamm, jede Gesellschaft hat sich im Laufe der Geschichte auf seine Daseins-Frequenz eingependelt. Erst die abendländische Technokratie hat mit ihrer übernatürlichen Übermacht allen Völkern ihre Maßstäbe aufgezwungen. Aber ihre Macht hat sie eben nur infolge des bedenkenlosen Umgangs mit der Natur und den Bodenschätzen dieser Erde gewonnen.
Das ist die Hauptschuld der Abendländer, daß sie in aller Welt Unzufriedenheit verbreitet und stabile Kulturen ihrer Fundamente beraubt haben. Mit ihrer technischen und ökonomischen Macht und mit dem Ziel, sich Rohstoffvorkommen und Märkte zu verschaffen, haben sie alle Völker in die Knie und zur ideologischen Anpassung gezwungen. Nun herrscht dort oft ein größeres Chaos der Anschauungen, Verhaltensweisen und des ökonomischen Freibeutertums als hier. Die Völker verloren ihre kulturelle Identität genauso wie die europäischen. Denn auch den überentwickelten westlichen Völkern ist es nicht gelungen, eine neue Identität zu finden, auf die sich jeweils die Bürger eines Staates noch verständigen könnten. Dafür war das Tempo der Veränderungen allzu rasant, das die Geister in alle Himmelsrichtungen auseinander trieb.479
In den überentwickelten Völkern dämmert jetzt die Erkenntnis, daß man in den Dienst falscher Götter geraten ist. Das goldene Kalb der Bibel war durch den Öltank ersetzt worden und das gute Leben mit Arbeit durch den Traum vom besseren Leben mit der Maschine, ohne Arbeit.
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