Die Angst, ein Examen nicht zu bestehen, wird als Prüfungsangst bezeichnet. Diese Angst ist auf eine konkrete Situation bezogen und tritt nur in dieser Situation auf, insofern ist sie verwandt mit den sogenannten Phobien. Die Angst eines selbständig Gewerbetreibenden, dem Konkurrenzdruck nicht gewachsen zu sein und die selbständige berufliche Existenz aufgeben zu müssen, wird häufig als Existenzangst bezeichnet. Unter dieser Angst leiden nicht nur die Selbständigen, die den engen Flaschenhals der Einkommensskala hinaufdrängen, sondern auch die Arbeiter, Angestellten und Beamten im großen Topf der Durchschnittsverdiener. Sie haben Angst, bei der nächsten (auch kleinen) Beförderung nicht dabei zu sein, Angst vor der Konkurrenz der intrigierenden Kollegen, Angst, arbeitslos zu werden, wenn die Firmenleitung den Rationalisierungsrotstift ansetzt, auch diese Ängste sind an die berufliche Existenz geknüpft. Unter Existenzangst soll jedoch im folgenden etwas anderes verstanden werden, etwas weniger konkret Faßbares, als die Sorge um die berufliche Fortentwicklung. Existenzangs ist die Angst vor dem mehr oder weniger erkannten und vom einzelnen benennbaren psychischen Schmerzen, die in der Kindheit und Jugend erfahren wurden, den Erwachsenen prägten und ihn täglich spürbar neu bedrohen, sofern sein Abwehrsystem nicht perfek funktioniert. Existenzangst ist die Angst, die aufgrund der bestehenden Verhältnisse in der Gesellschaft immer wieder täglich neu Angst erzeugt. Quelle der Angst sind die Herrschaftsverhältnisse in Schule, Beruf und Familie, der emotionale Charaker der mitmenschlichen Beziehungen, die Entfremdung von der eigenen Individualität und Selbstentfaltung, das Leistungs- und Konkurrenzprinzip im mitmenschlichen Kontakt, die Angst, die Menschen voreinander haben. Diese Existenzangst kann ganz grob und allgemein formuliert als eine Angst vor der Entfaltung des individuellen Lebens in einer begrenzten und Grenzen setzenden Umwelt angesehen werden. Sie ist bei der Mehrzahl der Menschen chronisch und taucht nicht nur ab und zu auf, wie zum Beispiel eine konkret faßbare Prüfungsangst oder Schlangenphobie. (Peter Lauster) Davon muß eine andere Angst, die von Philosophen beschrieben wird, abgegrenzt werden, die diffuse Angst des Menschen, der sich bewußt wird, in die Welt geworfen zu sein, der die Sinnlosigkeit dieser Existenz empfindet und den Tod vor sich sieht. (Siehe besonders: Jean-Paul Sartre "Das Sein und das Nichts"; das Gesamtwerk von Heidegger z.B. "Sein und Zeit"; aber auch >>Das Leiden am sinnlosen Leben ; Die Krankheit zum Tode ; Die Angst „Grundbefindlichkeit" unseres Seins u.a.)
Die chronische Existenzangst sollte abgegrenzt werden von den verschiedenen neurotischen Ängsten, und sie darf nicht verstanden werden als die Grundlage aller Angstsituationen. Die einzelnen Ängste sollten getrennt voneinander betrachtet werden, und es ist wenig sinnvoll, sie auf eine Grundlage oder Urangst zurückzuführen, wie das Geburtstrauma - das von Otto Rank und Melanie Klein beschrieben wurde - oder die Trennungsangst des Säuglings bei der Trennung von der Mutterbrust, die Sigmund Freud entdeckte. >>wird fortgeführt<< [500, 501, 502, 503, 504, 505, 506, 507, ..] Siehe auch: Angst- + Angstkrankheiten: Inhaltsverzeichnis
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