Todesangst Das menschliche Dasein ist als endliches ausgespannt zwischen der Geburt und dem Tode (Condrau, 1962). Die Angst vor dem Tode nun ist, wie auch Jaspers sagt, eine Angst vor dem Nichts. Wenn sich der alternde Mensch im Zugehen auf den Tod ängstigt, so ist es im Grunde nicht nur die Furcht vor dem, was nachher kommt, sondern die Furcht vor der Auflösung aller mitmenschlicher Bindungen, vor der endgültigen Trennung von den Angehörigen, den Umgebenden, der belebten und der materiellen Welt, die Furcht, endgültig keinen Anteil mehr zu haben an dem, was geschieht und was geschehen wird. Die Angst vor dem Tode - wir wollen hier den Unterschied Angst/Furcht auf der Seite lassen, er ist nur ein gradueller - beinhaltet auch die Furcht, in Vergessenheit zu geraten, keine Spuren mehr zu hinterlassen. Wenn auch immer gesagt wird, daß wir in den mit uns Seienden und nach uns Kommenden weiterleben, ängstigt sich doch jeder Mensch, daß all das, wofür er gelebt und gesorgt hat, mit ihm ins Grab sinken wird. Wir haben sogar bei Depressiven und Suizidalen beobachtet, daß sie nicht etwa den Tod herbeisehnen, sondern ein vom Leiden befreites Leben in sozialen Bezügen, man könnte auch sagen, ein “diesseitiges Jenseits”.
>”Dem homo sapiens wird Angst, wenn er erkennt, daß seine Aufnahmebereitschaft und seine Assimilationskraft zu langsam sind, um sich weite Bereiche der ihn umgebenden Welt zu- eigen zu machen. Es wird ihm aber auch Angst, wenn er wahrnimmt, daß er sich soviel angeeignet hat, daß er das Erworbene oder sich Genommene nicht mehr zu bewältigen vermag. Ein französisches Sprichwort heißt:” Qui trop embrasse, mal e`treint”. Übersetzt heißt das:”Wer zuviel umarmt, schnürt schlecht zusammen”, oder, mit anderen Worten, wird alles verlieren.”< [ Battegay, Raymond, 1996, Angst und Sein.]
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