Am Anfang steht die Frage. Am Anfang war die Frage. Sie ist die Ur-Sache von Philosophie. Mit der Frage nach dem Ursprung von Welt haben vor etwa 2500 Jahren die Menschen einen Bruch mit ihrer vorherigen Existenz vollzogen. Ihre Fragen: “Was ist der Ursprung der Welt?” “Was ist wahr?” “Was ist der Sinn des Seins?” “Welche Stellung hat der Mensch in der Welt?” kennzeichnen den Anfang der Philosophie.
Jeder einzelne, der heute beginnt zu fragen: “Was bin ich in der Welt?”, bricht mit seiner vorherigen Existenz. Er akzeptiert durch diese Frage die Welt und sein Sein nicht mehr so wie sie sind, sondern fragt weiter, beginnt zu philosophieren.
Wer sich sein Leben lang von der Schule über den Beruf bis in das Alter nur dem Trott des Alltags, der Einbahnstraße des täglichen Sollens, unterwirft, der wird niemals philosophieren, denn er fragt nicht. Er fragt nicht nach dem Sinn seiner Existenz, sondern lebt nur dahin, ohne die Bestimmung des Menschen aufzunehmen, das eigene Sein zu gestalten, der Strecke zwischen Geburt und Tod einen Sinn zu geben, und wenn es vielleicht nur der wäre, nach diesem zu fragen.
Für die Mehrheit der Menschen jedoch ist diese Möglichkeit des Fragens nicht von vornherein gegeben. Frühes Eingebundensein in die Arbeitswelt, tägliche Besorgungen und Anstrengungen, Eingespanntsein, daraus resultierende Müdigkeit, passive Entspannung vor dem Fernsehapparat oder anderen Apparaten, die das eigene Leben ersetzen, lassen keine Lücke im Alltag, in die das Denken, das über die alltägliche Problembewältigung hinausgeht, eindringen kann. Das Alltägliche, das Gewöhnliche ist zudem überaus hartnäckig. Es muß schon eine Distanz zum Geschehen des Alltags, zur eigenen eingefahrenen Situation eintreten, in der man aus seiner eigenen “Betriebsblindheit” aufgerüttelt wird.
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