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Merkmal der Doxa

Lebenswelten - Matrixwelten

Das grundlegende Merkmal der Doxa, der bloßen Meinung, ist aus der Sicht der Episteme, der Wissenschaft, ihre Befangenheit in einseitigen Standpunkten. Diese Befangenheit rührt daher, daß die Menschen, so wie sie vor aller Philosophie und Wissenschaft durchschnittlich leben, jeweils auf das fixiert sind, woran ihnen gerade gelegen ist. Die Beschränktheit auf ihr jeweiliges Interesse verengt ihren Horizont, d.h. den Gesichtskreis für die Möglichkeiten des Urteilens und Handelns. Solcher Möglichkeiten gibt es an sich unabsehbar viele. Aber die Menschen bewegen sich immer nur in gewissen Ausschnitten aus dem Universalhorizont der Möglichkeiten. Sie leben, wie wir sagen, jeweils in ihrer Welt, der Welt des Studenten, der Welt des Arbeiters, der Welt des Kindes usw. Alle solchen interessenbedingten Horizonte bilden Einschränkungen eines umfassenden Universalhorizonts, den wir als die eine Welt bezeichnen können. Sie sind, wie Husserl formulieren wird, Sonderwelten der einen Welt. Die Befangenheit der Doxa besteht in der Beschränkung auf jeweilige Sonderwelten, d.h. in ihrer Verschlossenheit gegenüber dem Ganzen schlechthin, der einen Welt.


Besonders ausgeprägt...

Jede Sonderwelt läßt den Menschen das sehen, was ihm an Vorkommnissen innerhalb dieser Sonderwelt begegnet. Was gesehen werden kann, nennen wir das Erscheinende, grichisch ausgedrückt: die Phänomene. Was ein Mensch in seiner Sonderwelt sieht, erscheint ihm im Licht seiner jeweils leitenden Interessen. Deshalb verweilt sein Blick nicht bei dem, was das Erscheinende als es selbst ist, sondern schweift sogleich über das Erscheinende hinaus, um sich auf das zu richten, wofür es brauchbar ist.


Wissenschaft als Ideologie und Religion

"Erkenntnis für freie Menschen" Paul Feyerabend bezeichnet den Umgang mit der modernen Wissenschaft als ein neuzeitliches Dogma, vergleichbar der Einstellung zur katholischen Kirche. Er kritisiert in seinem Buch: "Erkenntnis für freie Menschen" die moderne Wissenschaftspraxis als Ideologie. Er stellt die Wissenschaft als eine Tradition gleichberechtigt neben andere Traditionen, nimmt ihr dabei den überlegenen Status. Paul Feyerabend richtet sich grundsätzlich gegen eine allgemeingültige Methode. Demnach gibt es "keine einzige Prozedur, Regel, es gibt keinen Maßstab der Vortrefflichkeit, der jedem Forschungsprojekt unterliegt und es 'wissenschaftlich' und daher vertrauenswürdig macht". In "Wider den Methodenzwang" - Entwurf einer anarchistischen Erkenntnistheorie - (1976), stellt P. Feyerabend zwei Fragen: "Was ist die Wissenschaft - wie geht sie vor, was sind ihre Ergebnisse?" und "Was ist die Wissenschaft wert - ist sie ein Mythos unter vielen?" .... Auf die zweite Frage reagiere, sagt Feyerabend, die Wissenschaft wie früher die Kirche nach dem Motto: "Die Lehre der Kirche ist wahr, alles andere ist heidnischer Unsinn." Diese Argumentation wird vom Staat noch abgesegnet, denn schließlich braucht er die Wissenschaft, und die Wissenschaft braucht ihn, denn wie sollte sie sonst existieren.




Erläuterungen

doxastisch = bez. Zustände des bloßen Führwahrhaltens ---> (Glauben) doxa = die Meinung; bei Platon im Unterschied zu Einsicht und Erkenntnis; ein Mittleres zwischen Wissen und Nichtwissen. In seiner Erkenntnislehre ist P. Rationalist, da
nach ihm die Wahrheit nur durch die Vernunft, das
reine Denken gefunden werden kann. Die Sinneswahr-
nehmung hat nicht das wahrhaft Seiende zum Objekt,
ihre Gegenstände sind die im stetem Werden begriffe-
nen Dinge, die nur Erscheinungen (Abbilder) der
wahren Wirklichkeit sind. Die sinnliche Erkenntnis
ist nur »Meinung« (doxa aus pistis und eikasia beste-
hend), unterschieden von der wahren Erkenntnis
(noêsis, in dianoia und epistêmê zerfallend, Republ.
V, 476 f., VII, 533 f.; Theaet. 210 A).
[Eisler: Philosophenlexikon. Geschichte der Philosophie, S. 18346 (vgl. Eisler-Phil., S. 553)] 



Verblödung durch die Medien

Medienwelten Weit mehr scheinen es inmitten von Europa, die Flüche der Medienflut zu werden, speziell in Deutschland, daß eine Medienberiesselung die Unmündigkeit des Bürgers beschleunigt. Eine Entwicklung, die bereits vor Jahrzehnten begonnen hat. Denn schon 1985 schrieb Paul Feyerabend (Grenzprobleme der Wissenschaften): "Verdorben von einer Erziehung, die sowohl den Inhalt, als auch die Autorität wissenschaftlicher Ergebnisse grob verfälscht, verführt von Radioreden und Fernsehprogrammen, auf denen Wissenschaftler wie unnahbare Heilige und ihre Erfindungen wie die Ausflüsse des Heiligen Geistes vorgestellt werden, eingespannt also in einen Prozess, den man nur als systematische Volksverblödung bezeichnen kann, hat seine Mündigkeit nicht die geringste Chance.




Literatur:

1. Fleischer, Margot: Philosophie des 20. Jahrhunderts, WBG, 3. Aufl. 1992
2. Feyerabend, Paul: Wider den Methodenzwang (Against Method. Outline of an Anarchistic Theory of Knowledge). Frankfurt/M. 1975.
3. Feyerabend, Paul: Erkenntnis für freie Menschen Frankfurt/M. 1980
4. Held, Klaus: Edmund Husserl, Transzendentale Phänomenologie: Evidenz und Verantwortung, WBG, 1992 (in 1)
4. Aufenanger, Jörg: Philosophie - Eine Einführung - Orbis-Verlag, 1990
5. Eisler, Rudolf: Wörterbuch der Philosophie
siehe auch Literaturverzeichnis und Wörterbücher auf Mentalpsychologie-Netz.
6. Döring, Eberhard: Paul K. Feyerabend zur Einführung. Hamburg: Junius, 1998
7. Hofmann, Martin Ludwig : Paul Feyerabend (1924-1994) - Kultur des Wissens als Kultur der Freiheit, in: Hofmann, Korta, Niekisch (Hrsg.): Culture Club II. Klassiker der Kulturtheorie. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 2006
8. Paul Feyerabend: Über die Methode. Ein Dialog. in: Gerard Radnitzky, Gunnar Andersson, (Hrg.): Voraussetzungen und Grenzen der Wissenschaft. Tübingen 1981
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