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Grundformen der Angst

Eine tiefenpsychologische Studie von Fritz Riemann

Riemann´sche Typologie
"Grundformen der Angst"
Eine tiefenpsychologische Studie von Fritz Riemann
Aus dem Umgang mit bestimmten Ängsten leitet der Tiefenpsychologe Fritz Riemann ein Modell ab, welches die Charaktereigenschaften von Menschen bestimmten Typen zuordnet. Dabei isoliert er vier Grundtypen der Angst mit sehr charakteristischen Verhaltenssweisen.
Der besondere Wert dieser Überlegungen liegt darin, daß sich diese Persönlichkeitstypen leicht auf die Beobachtungen des Alltags übertragen lassen und somit ein wertvolles Instrument im Umgang mit anderen Menschen sind.
Zum Inhalt:
A. Einleitung
B. Die Typologie
C. Die Verhaltensweisen der vier Typen
E. Schlußbetrachtung
F. Quellenangaben

A. Einleitung
Jeder Mensch hat Ängste - sie gehören quasi zum Menschsein dazu. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, daß Ängste grundsätzlich nichts schlechtes sind: Sie lassen Menschen beispielsweise über sich selbst hinaus wachsen. Wir sollten diesen Ängsten (zum Beispiel die Angst vor dem eigenen Tod) nicht ausweichen, nur versuchen, Gegenkräfte gegen sie zu entwickeln: Mut, Vertrauen, ...
Grundsätzlich ist das Buch "Grundformen der Angst" nur schwer zusammenzufassen, weil der Inhalt ohnehin schon sehr kompakt ist. Damit ist dieses Werk eine echte Ausnahme unter den Psychologie-Büchern (speziell den amerikanischen Bestsellern), weil es sich nicht problemlos auf 1/10 des Umfangs komprimieren läßt.

B. Die Typologie
Zwar haben alle Menschen eigene Ängste, aber es gibt auch viele Ängste, die allen Menschen gemein sind. Riemann hat festgestellt, dass sich alle überhaupt möglichen Ängste auf ganz bestimmte grundsätzliche Angstformen zurückführen lassen, die er als die �vier Grundformen der Angst" bezeichnet.
Das besondere an seinem Modell ist, dass er jeweils zwei Angstformen zu einem Gegensatzpaar zusammenfasst, die sich dichotom gegenüber stehen.

1.) Die ersten beiden Grundformen der Angst: aus der Gemeinschaft herauszufallen oder sich selbst zu verlieren
Das erste Angst-Paar besteht aus der Angst des depressiven Menschen und des schizoiden Menschen.
(Diese harten pathologisierenden Bezeichnungen, die im "üblichen" Gebrauch psychische Krankheiten bezeichnen, sollten den Leser nicht abschrecken.
Die beschriebenen Ängste sind keinesfalls grundsätzlich krankhaft, sondern normale Funktionen unseres Bewußtseins. )

a) der depressive Mensch:
Die Erde umkreist die Sonne. Das Zentrum der Rotation liegt außerhalb der Erde.
Genau dieser Effekt tritt auch bei einigen menschlichen Persönlichkeiten auf:
Sie rotieren im übertragenen Sinne um andere Menschen herum. Dabei versuchen sie die Rotation um sich selbst herum so weit wie möglich zu unterbinden. Diese Menschen sind im weitesten Sinne als Gruppenmenschen zu bezeichnen.
Die zugrundeliegende Angst ist die Angst vor der Selbstwerdung, die als Ungeborgenheit und Isolation erlebt wird. Die gefühlsmäßige Trennung von seiner sozialen Umwelt bedeutet für ihn einen kleinen Tod.

b) Der schizoide Mensch:
Die Erde rotiert um sich selbst und hat somit das Zentrum der Rotation in sich.
Übertragen auf die menschliche Psyche bedeutet dies, daß der betroffene Mensch mit seinen Gedanken und Gefühlen um sich selbst kreist; dabei versucht er die Rotation um andere Menschen so weit wie möglich zu vermeiden. Hier finden wir häufig Einzelgänger. Seine typische Grundangst liegt darin, daß er sich vor der Selbsthingabe fürchtet, die er als Ich-Verlust und Abhängigkeit erlebt. Ein Ich-Verlust bedeutet für ihn nichts anderes als ein psychologischer Tod.
Mit anderen Worten: Das Leben stellt zwei Forderungen an den Menschen, die in Konkurrenz zueinander stehen:Je mehr ein Mensch der Forderung nach Selbstwerdung nachkommt und die damit verbundene Angst (Geborgenheitsverlust, Isolierung von der sozialen Gruppe) überwindet (oder verdrängt?) desto mehr wird er sich zu einer schizoiden Persönlichkeit entwicklen und desto weniger kann er der Forderung nach Selbst-Hingabe erfüllen und umso mehr Angst hat er vor dieser Selbsthingabe... und umgekehrt.



2.) Die nächsten beiden Grundformen der Angst: vor der Wandlung des Vergänglichen und der Angst vor der Notwendigkeit.
Das zweite Angst-Paar besteht aus dem zwanghaften Menschen und dem hysterischen Menschen.

a) Der zwanghafte Mensch
Er strebt die Dauer an, möchte sich in dieser Welt häuslich niederlassen und die Zukunft planen. Sein Wunsch ist eine feste, verläßliche, Zukunft.
So wie die Zentripetalkraft möchte er alles verdichten, auf das es sich nicht mehr bewegt, damit eine Stabilität gegeben ist. Seine Angst betrifft die Vergänglichkeit, das Irrationale und Unvorhergesehene. Alles Neue ist für ihn ein Wagnis und planen ins Ungewisse ist ihm ein Greuel. In seinem Erleben ist die Vergänglichkeit gleich einem Tod.

b) Der hysterische Mensch
Er ist immer bereit, sich zu wandeln, Veränderungen und Entwicklung zu bejahen, Vertrautes aufzugeben und alles nur als einen Durchgang zu erleben.
Das Neue hat für ihn einen unwiderstehlichen Reiz, das Unbekannte zieht ihn magisch an. Damit verbunden ist die Angst vor Ordnung, Notwendigkeiten, Regeln und Festlegungen. Sein Freiheitsdrang schlägt um in die Angst vor dem Tod als Erstarrung.





Diese vier beschriebenen Persönlichkeitstypen stecken allesamt in uns. Unsere individuellen Persönlichkeiten unterscheiden sich lediglich insofern,
als daß wir verschiedene Schwerpunkte setzen.
Das Ziel ist eine Ausgewogenheit zwischen den verschiedenen Aspekten: Wer genauso schizoid wie depressiv ist und genauso zwanghaft, wie hysterisch wird von Fritz Riemann als ein seelisch gesunder Mensch beschrieben. Um diese seelische Gesundheit zu erreichen, kann jeder Mensch an sich arbeiten. Riemann versteht seine Typologisierung nicht als ein endgültiges Schema an, dem man nicht mehr entrinnen kann. Er schreibt dieses Buch, um dem einzelnen leben zu
helfen, um ihm mehr Selbst- und Fremdverständnis zu vermitteln, und um die Wichtigkeit unserer Anfangsjahre für unsere Entwicklung deutlich zu machen.




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