"Um die revolutionäre Sexualgesetzgebung für alle Zeiten zu sichern, ist es unerläßlich, die Sorge für die sexuelle Gesundheit der Bevölkerung den Urologen und alten Hygieneprofessoren zu entreißen. Es muß jedem Arbeiter, jeder Frau, jedem Bauern, jedem Jugendlichen klarwerden, daß es auf diesem Gebiete in der konservativen Gesellschaft überhaupt keine Autoritäten gibt; daß diejenigen, die sich für Sexualhygieniker und Sexualärzte halten, durchdrungen sind von asketischen Geist und von Angst um das "sittliche Verhalten der Menschen". Auf Grund der Arbeit unter der Jugend und in den Arbeiterorganisationen steht der Schluß fest, daß jeder durchschnittliche ungeschulte, doch frische Arbeiterjunge ein besseres Gefühl und ein richtigeres Urteil für die Fragen des sexuellen Lebens hat als irgendeine diese Autoritäten." (W. Reich - 1931)
In seinem Vorwort zur zweiten Auflage 1936 in "Die sexuelle Revolution" ) schreibt W. Reich:
"Die heutigen Staatsmänner sind Freunde, Brüder, Vettern, Schwiegerväter von Großkapitalisten oder Diktatoren. Daß die Masse denkender, zum Teil kultivierter und gebildeter Menschen dies nicht sieht und nicht entsprechend reagiert, ist Problem. Es läßt sich nicht durch individuelle "psychodiagnostische Untersuchungen" lösen. Die seelischen Erkrankungen, darunter Verstandestrübungen, Resignation, Hörigkeit, Selbstschädigung, unbedingte Führergläubigkeit usw. sind, auf die einfachste Formel gebracht, insgesamt Ausdruck gestörter Harmonie des vegetativen, im speziellen des sexuellen Lebens auf der allgemeinen gesellschaftlichen Grundlage der gesellschaftlichen Mechanisierung des Lebens."
Wer diese Zeilen liest und hat nicht das schlüssige Denken verlernt, weiß auch bei intensiven Studium des Werkes und der Schriften von Wilhelm Reich, warum dieser geniale Mann so angefeindet wurde, auch heute noch, weil nach wie vor ein Großteil der Bevölkerungen Europas deformiert sind und an der emotionalen Pest leiden. Mein Weg zu W. Reich und Erich Fromm und meine Auseinandersetzung mit beiden beginnt 1970/71 auf dem Höhepunkt der Studentenrevolte. Nach intensiven Studien zur Umweltproblematik / Ökologie, Religionsgeschichte, Theologie, Geschichte des Nationalsozialismus führte mein Weg zur Psychologie und die Auseinandersetzung mit allen Facetten (Fassetten) der Psychologie, Tiefenpsychologie und Philosophie und auch besonders zur Neurosenproblematik. (B.R.)
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